Beweg was! im Hort

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Beweg was! in deinem Hort

Modellprojekt zur Partizipation in Betreuungseinrichtungen

Von Juni 2019 bis Februar 2020 fand das Partizipationsprojekt im Kinderhort am Asbachgrund in Kooperation mit der Fachstelle Partizipation des Landkreises Fürth statt. Die vor drei Jahren eingerichtete Fachstelle Partizipation ist beim Kreisjugendring Fürth angesiedelt und setzt sich zum Ziel, die Kinder- und Jugendbeteiligung im Landkreis Fürth zu fördern. Neben den Angeboten für die Landkreisgemeinden, wie die Moderation von Jungbürgerversammlungen, und Partizipationsveranstaltungen wie die U18-Wahl möchte Claudia Elß von der Fachstelle ausprobieren in welchen Lebensbereichen von Kindern und Jugendlichen mehr Partizipation möglich und nötig ist.

Kinder verbringen neben der Schule viel Zeit in Betreuungseinrichtungen, der Besuch im Hort oder der Mittagsbetreuung ist ein großer Bestandteil ihres Lebens. So wollte Frau Elß, pädagogische Mitarbeiterin und zuständig für die Fachstelle Partizipation, herausfinden, wie den dort betreuten Kinder mehr Mitsprache- und Mitgestaltungsmöglichkeiten garantiert werden können.

Frau Geißler, Leiterin des städtischen Horts in Oberasbach, zeigte sich sofort interessiert. Bei den Planungsgesprächen war schnell klar, dass das Hort Team offen für Neues ist, gleichzeitig herrschte Unsicherheit: Wie kann Partizipation mit 150 Kindern funktionieren?

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Bei einer kurz zuvor durchgeführten Umfrage unter den Hortkindern hatte sich herausgestellt, dass viele Kinder sich neue Regeln zum Umgang miteinander im Hort wünschen. Das Team stellte diesen Themenbereich in den Mittelpunkt des Partizipationsprojekts. Ziele der Hortpädagoginnen waren das gemeinsame Entwickeln der neuen Regeln, die für alle gelten, und somit Klarheit und Sicherheit im Alltag gewährleisten sollen. Der Partizipationsprozess soll das Miteinander fördern und alle miteinbeziehen, damit alle Kinder Mitbestimmung erleben können. Den Horterzieherinnen war es wichtig zu erfahren, wie unterschiedliche Partizipationsmethoden wirken und wie sie sinnvoll angewendet werden.

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Als ersten Test bereitete Claudia Elß eine Versammlung der Kinder, die im Hort Fußball spielen, vor. Kinder und Erzieherinnen berichteten, dass die Regeln beim Fußballspielen oft nicht eingehalten werden. Daraufhin erarbeiteten die Kinder mit Frau Elß und zwei Horterzieherinnen nach einer Ideensammlung zuerst in Kleingruppen neue Regeln, die später von allen überprüft und beschlossen wurden. Seitdem hängen die neuen Regeln im Hort aus und werden von den Kindern angenommen und befolgt.

Für den Herbst 2019 wurde eine größere Partizipationsaktion mit dem gesamten Hort geplant. Nach mehreren Planungstreffen stand das Konzept fest und das Hort Team und Frau Elß bereiteten die Aktion vor. Die Kinder sammelten in den wöchentlich stattfindenden Kinderkonferenzen in welchen Spielbereichen des Hortes es neuer Regelungen bedarf. Gemeinsam mit dem Hort Team konzipierte Claudia Elß ein Angebot zur Ideensammlung, das am Buß-und Bettag durchgeführt wurde.  Ziel war es die Ideen und Vorstellungen der Kinder für den Umgang miteinander in den fünf ausgewählten Spielbereichen Bauzimmer, Rollenspielzimmer, Bälle Bad, Außenbereich und bei der Fahrzeugnutzung zu sammeln. Jeder durfte seine Meinung abgeben.

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Am Buß- und Bettag erhielten alle Hortkinder eine kurze Einführung und eine Laufkarte, auf der die Räume, in denen die Aktion stattfand, verzeichnet waren. Alle Kinder waren nun mit Feuereifer im Gebäude unterwegs und konnten im Rollenspielzimmer auf einem großen Plakat ihre Ideen und Wünsche aufschreiben oder im Baubereich kleine Kärtchen beschriften und an eine Wäscheleine hängen. In jedem Bereich erhielten die Kinder, die mitgearbeitet hatten, einen Stempel auf ihrer Laufkarte. Die Kinder waren sehr motiviert und die Ideen sprudelten aus ihnen heraus, angeregt durch die für sie neuen Methoden der Partizipation. Auch die Pädagog*innen zeigten sich begeistert: „Alle Kinder haben mitgemacht und waren motiviert.“ und „Es lief so ruhig ab, keiner hat Quatsch gemacht.“, lauteten die Stimmen aus dem Team.

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Danach fasste Claudia Elß die Vorschläge der Kinder zusammen, formulierte auf deren Grundlage die neuen Regeln für die fünf Spielbereiche und besprach diese mit dem Hort Team. Die so entstandenen Regeln wurden im Hort ausgehängt und die Kinder hatten eine Woche Zeit diese durchzulesen und auf einer neuen Laufkarte Anmerkungen oder Verbesserungsvorschläge zu notieren und ihre Zustimmung zu den Regeln zu geben. Seither gelten die neuen Regeln.

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Beim Projektabschluss erhielt Frau Elß positive Rückmeldungen vom Team. Die Methoden kamen bei den Kindern gut an, was sich durch die motivierte Teilnahme zeigte. Die Kinder identifizieren sich mit den gemeinsam erarbeiteten Regeln und halten sie ein. Das Team kann sich vorstellen, diese Methoden wieder anzuwenden und möchte weiterhin Partizipationsprozesse ermöglichen.

Das Projekt ist übertragbar und kann an die Gegebenheiten und Wünsche in anderen Einrichtungen angepasst werden. Claudia Elß steht als Ansprechpartnerin für Betreuungseinrichtungen, die Partizipationsprozesse in ihrer Einrichtung testen und implementieren möchten, gerne zur Verfügung.

Fachstelle Partizipation
Claudia Elß
Stresemannplatz 11
90763 Fürth
Tel.: 0911 9773-1761
c-elss@lra-fue.bayern.de

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